Aasgeier

In einem Verfahren vor dem Amtsgericht Coesfeld bin ich als Pflichtverteidiger beigeordnet. Meine Beiordnung erfolgte einen Tag nach der Inhaftierung durch eben dieses Gericht im Zuge der Haftbefehlsverkündung.

Da die Untersuchungshaft vollstreckt wurde und wird, war nach § 140 Abs. 1 Nr. 4 StPO automatisch ein Pflichtverteidiger zu bestellen, woran sich das Gericht auch gehalten hat. Da ich den Mandanten bereits anlässlich seiner Verhaftung kennenlernen durfte, wünschte dieser meine Beiordnung, welche dann auch erfolgte. Der Proberichter, welcher an diesem Tag den Eildienst erledigen musste durfte, hatte an wirklich alles gedacht.

Wie es sich in einer Haftsache gehört, beantragte ich umgehend Akteneinsicht, welche mir dann durch die zuständige Staatsanwaltschaft, welche inzwischen durch ihre Behördenleiterin wohl jedenfalls in NRW sehr bekannt sein dürfte, auch zügig gewehrt wurde. Zwischenzeitlich hatte ich bereits den Dolmetscher beantragt und auch beauftragt. Ein nettes Schreiben an meinen Mandanten hatte ich diesem inzwischen auch in die JVA gesandt.

Nach erfolgter Akteneinsicht habe ich dann einen Termin mit dem Dolmetscher abgestimmt und meinen Mandanten in der JVA besucht. Die zwischenzeitlich übersandte Anklageschrift haben wir besprochen und natürlich auch den Tatvorwurf. Ein nettes und langes Gespräch – die Verteidigungsstrategie ist klar.

Ein oder zwei Tage nach meinem Besuch in der JVA erhielt ich den Eröffnungsbeschluss und traute meinen Augen nicht : es gab für meinen Mandanten neben mir als Pflichtverteidiger noch zwei Wahlverteidiger.
Ich habe grundsätzlich kein Problem damit, gemeinsam zu verteidigen, aber so eine kleine Mitteilung wäre nett gewesen. Warum diese nicht erfolgte, weiß ich aber inzwischen :

Nachdem die Kollegen meine Beiordnung aus der Akte ersehen konnten, war die Angelegenheit unattraktiv – Geld war in diesem Verfahren nicht zu holen, der Mandant verfügt nämlich wohl eher über überschaubare finanzielle Mittel, welche für die Kosten einer Verteidigung wohl eher nicht ausreichend sein dürften. Jedenfalls wurden die Mandate inzwischen alle wieder niedergelegt. Aus der inzwischen zur Vorbereitung der Hauptverhandlung erneut übersandten Akte weiß ich, dass es neben den beiden Kollegen noch einen weiteren Kollegen gab, welcher seine Hilfe angeboten hatte.

Wie gesagt, ich habe nichts gegen Mitverteidiger. Vier oder mehr Augen sehen bekanntlich mehr als zwei. In diesem Fall war es aber wohl eher das Interesse der Kollegen, eine Beiordnung abzugreifen. Dabei will ich nicht mal Boshaftigkeit oder gar die Absicht, mich aus dem Verfahren zu drängen (ja, so etwas gibt es auch), unterstellen. Aber drei Monate nach der Inhaftierung zu glauben, es sei noch kein Pflichtverteidiger bestellt, ist in Anbetracht der gesetzlichen Regelung in § 140 StPO wohl wirklich Schwarzmalerei. Dabei handelt es sich bei allen Kollegen nach meinen Informationen übrigens um erfahrene Strafverteidiger, welche häufiger vor dem Amtsgericht Coesfeld verteidigen – was man von mir übrigens nicht sagen kann. Für mich ist es eine Prämiere in Coesfeld, auf die ich mich bereits freue. Ob die Kollegen vielleicht doch… – NEIN ! Ich bin Strafverteidiger – da glaubt man an das Gute im Menschen.

Geschrieben in Jura-Schlumpf| Tags: , , , , , | 1 Kommentar

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  1. 13. März 2014 um 15:43 Uhr

    werbebanner sagt :

    Vielen Dank für die nützlichen Informationen

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