Erziehungscamps

Seit diesem Vorfall in München – welchen auch ich zutiefst verurteile – hat die Diskussion über das deutsche Jugendstrafrecht erneut Brennstoff erhalten und ist entflammt.

Die einen nutzen es für ihren Wahlkampf, andere diskutieren nur so, auch bei Google findet man einiges zu diesem Thema.

Nachdem ich vor einiger Zeit auf Jura-Schlumpf bereits einmal etwas zum Jugendstrafrecht veröffentlicht habe, will ich mich auf zur aktuellen Diskussion äussern bzw. zu dem Vorschlag der sogenannten Erziehungslager :

Der Begriff "Lager" ist in Deutschland vermutlich nicht gerade günstig gewählt, weshalb ich diese Einrichtungen auch eher (wie auch schon in der Überschrift) "Erziehungscamps" nennen würde. Aber das ist nur eine Begrifflichkeit.

Aus der Presse ist mir jedenfalls ein solches Camp in Deutschland bekannt, welches mit der sogenannten Erlebnispädagogik versucht, straffällig gewordenen Jugendlichen wieder zurück von der Kriminalität in geordnete Bahnen zu helfen. Der private Verein Durchboxen im Leben e.V.

Geht man davon aus, dass straffälligen Jugendlichen ein Teil der Sozialisation fehlt, sicherlich ein überzeugendes Konzept. Es werden die Erfahrungen und Werte vermittelt, die eben diesen Jugendlichen in ihrer Sozialisation vorenthalten wurden. Es wird auf die besonderen Bedürfnisse der Jugendlichen eingegangen – sie werden gefördert und gefordert. Das Konzept liest sich wirklich gut.

Warum gibt es dann so wenige davon ? Die gesetzlichen Grundlagen gibt es offenbar, sonst würde ein Projekt wie das von Lothar Kannenberg jedenfalls in Deutschland nicht realisiert werden können. Warum fordert ein Roland Koch die Einführung von Projekten, bei denen er weiß, dass sie in "seinem" Bundesland existieren ? Logisch : Wahlkampf !

Aber solche Projekte kosten Geld. Vermutlich mehr Geld, als der Strafvollzug für Jugendliche kostet. Außerdem bedeutet ein solches Projekt Verantwortung. Verantwortung für die Jugendlichen – aber auch für die Gesellschaft. Rückfälle werden schnell zu Kritikpunkten – Kritik ist keine gute Werbung, schlechte Werbung schreckt Investoren ab oder kostet Wählerstimmen. Was wohl noch mehr als die hohen Kosten der Grund sein wird, warum Politiker solche Projekte lieber Privaten überlassen.

"Erziehungscamps" für jugendliche und auch heranwachsende Straftäter wären sicherlich wünschenswert. Die Forderung danach auch politisch populär. Nur die Umsetzung nicht – weswegen es wohl auch in Zukunft beim Jugendstrafvollzug bleiben wird. Schade eigentlich.

Geschrieben in Schlumpf politisch| Tags: , , , , , | 1 Kommentar

1 Kommentar bisher

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  1. 15. Januar 2008 um 11:05 Uhr

    blog :: weinschenker.name sagt :

    Bootcamp nein — Boxcamp ja…

    In Hessen ist Wahlkampf und Roland Koch präsentiert sich als der großartige Bekämpfer der Jugendkriminalität, der frei von jeglichem Wahlkampfkalkül einfach nur hart durchgreifen und aufräumen will. Genau!
    Abschäuliche Überfälle in U-Bahnen ga…

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