Wenn ich etwas kaufe, gehört es mir !

Wohl die Mehrheit würde diesem Satz zustimmen ohne darüber nachzudenken. Dabei ist dieser Satz juristisch betrachtet genauso falsch, wie „Eltern haften für ihre Kinder„. Grund für diesen Irrtum ist, dass vielen Menschen ein wichtiges Prinzip des deutschen Zivilrechts nicht bekannt ist : das sogenannte Abstraktionsprinzip.

Der Kaufvertrag als solcher ist ziemlich klar in § 433 BGB geregelt. Der Käufer verpflichtet sich, den Kaufpreis zu zahlen und die Kaufsache abzunehmen. Im Gegenzug dazu verpflichtet sich der Verkäufer, die Kaufpreiszahlung anzunehmen und das Eigentum an der Kaufsache zu verschaffen. Würde man alleine durch den Kaufvertrag bereits Eigentum erlangen, wäre die zweite Verpflichtung des Verkäufers gar nicht notwendig. Der Käufer bekommt also nicht das Eigentum an der Kaufsache, sondern erhält einen Anspruch auf Übertragung des Eigentums, ebenso wie der Verkäufer einen Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises erhält.

Die Eigentumsübertragung erfolgt dann in einem zweiten Rechtsgeschäft durch Einigung und Übergabe nach § 929 BGB. In einem dritten Rechtsgeschäft erfolgt dann die Übereignung des Kaufpreises. Ein vollständig abgewickelter Kaufvertrag erhält also mindestens drei Rechtsgeschäfte.

Bei Geschäften des alltäglichen Lebens, wie etwa dem Kauf einer Zeitung oder von Lebensmitteln spielt diese Unterscheidung in der Praxis normaler Weise keine sonderliche Rolle. Anders ist das beispielsweise beim Kauf eines Autos. Hier fallen im Normalfall Verpflichtungsgeschäft (der Kaufvertrag) und die Erfüllungsgeschäfte (Übereignungen) auseinander, was vor allem für möglicherweise eintretene Schäden in der Zwischenzeit von hoher Bedeutung ist.

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